Förderprogramm 

Am 15.07. schloss die Ausschreibung für das „Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin“ für das Jahr 2027. digiS hat den Sommer damit verbracht, die Anträge formal mit Blick auf die Förderrichtlinie zu prüfen und sie für die Jurysitzung im Oktober vorzubereiten.

Veranstaltungs- und Workshoprückblick

Da wir mit Antragssichtung und Sommerferien beschäftigt waren, gibt es für das 3. Quartal üblicherweise auf weniger Veranstaltungen mit digiS-Beteiligung zurückzublicken. Aber unterwegs waren wir natürlich trotzdem!

Am 22.07. fand der digiS-Stammtisch für die Projekte 2026 im Internationalen Theaterinstitut (ITI) statt. Im ITI-Projekt „Be thou still there with me?“ geht es um die Archivierung von Tanz-Produktionen, die digitale Arbeitsprozesse nutzen und vielfältige Medientechnologien einsetzen. Das Projekt wird in Kooperation mit der Choreografin Yui Kawaguchi sowie der Mediathek für Tanz und Theater durchgeführt. Die Teilnehmer:innen des Stammtischs konnten die im Projekt entwickelte Virtual-Reality-Rekonstruktion der Tanzperformance erleben.

Am 31.08., nach Ende der Sommerferien, führten wir unsere Reihe „Machine-Learning-Montag (MLM)“ in die dritte Runde: Alexander Winkler identifizierte in MLM III Bereiche der alltäglichen Datenarbeit in GLAM-Institutionen, bei denen der Einsatz von LLM tatsächlich eine Hilfe darstellen kann: LLMs können die Nutzung fortgeschrittener Funktionen und Tools erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen. Sie helfen dabei, anspruchsvolle Excel-Funktionen zu schreiben, SQL- und SPARQL-Queries zu formulieren, mit komplexen regulären Ausdrücken zu arbeiten, Dateien über die Kommandozeile zu verwalten oder kleine Code-Schnipsel zu generieren. LLMs können z.B. auch in OpenRefine eingebunden werden und bei der Strukturierung von Information helfen. LLMs können oft helfen, es bedarf jedoch grundlegender Kenntnisse der zur Verfügung stehenden Werkzeuge. Die Folien sind unter https://doi.org/10.5281/zenodo.22179771 abrufbar.

Am 10.09. stellte Xenia Kitaeva beim Kompetenzzentrum Bestandserhaltung (KBE) der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) digiS und das Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin für das Jahr 2028 (!) vor. Der frühe Vogel fängt schließlich den Wurm! Die Veranstaltung „Fördermöglichkeiten in der Bestandserhaltung“ findet jährlich statt und enthält weitere empfehlenswerte Vorträge zu Förderungen von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK), von der Koordinierungsstelle Brandenburg-digital und von der knb, EU- und Drittmittelberatung vom dbv. 

Am 18. und 25.09. führte Anna-Lena Nowicki einen Doppelwhopper-Online-Workshop zu OpenRefine für Einsteiger:innen durch: Der erste Workshop-Teil widmete sich der Einführung in OpenRefine und dessen Grundfunktionalitäten. In der Woche bis zum Folgetermin konnte das Gelernte anhand eines Online-Tutorials selbstständig nachvollzogen und mit eigenen Daten ausprobiert werden. Während des zweiten Teils standen Abgleich und Anreicherung von Daten über verschiedene Reconciliation-Services im Fokus. Darüber hinaus war Zeit für Fragen, die bei der Bearbeitung des Tutorials und/oder eigener Daten aufgekommen sind.

Judith, Felicitas, Inci, Marco bei der iPres (470 weitere Teilnehmende nicht im Bild).

Vom 21.09.- 25.09. war digiS auf der 22. Internationalen Konferenz zu Digitaler Langzeitarchivierung (iPRES 2026) in Kopenhagen dabei (https://ipres2026.dk). İnci Yüksel-Ergün, Judith Schönbohm, Felicitas Günther und Marco Klindt trafen sich mit rund 470 Teilnehmenden (darunter viele auch aus dem deutschsprachigen Raum), um sich über aktuelle Entwicklungen und Trends der Bewahrung digitalen Kulturerbes auszutauschen. Mitgebracht haben sie uns folgende fun facts: Es gibt ein digiS für den flämischen Teil Belgiens, meemoo und ebenso interessant ist finna. 

Am 23.09. beteiligten sich Christoph Halbmeier und Alexander Winker an der „Sonder-Videokonferenz zur KI-Anwendung in den (Bibliotheks-, Anm. der Redaktion) Verbünden“, die u.a. vom KOBV mitveranstaltet wurde. Christoph Halbmeier hielt den Vortrag „Text-zu-Bild-Retrieval in großen Bildarchiven“, und stellte das digiS-Projekt „Das Potential von Künstlicher Intelligenz in Einrichtungen des Kulturerbes“ vor, bei dem es darum geht, große Bildbestände KI-gestützt zu erschließen und Best Practices zu entwickeln. Für KI-Projekte in Kultureinrichtungen lässt sich jetzt schon festhalten, dass es hilfreich ist, Workflows und Code öffentlich zu machen und dass Ground Truth-Daten für systematische Qualitätsmessung nützlich sind. Alexander Winkler präsentierte „Views of a Metropolis – Vorüberlegungen zu einem diachronen Corpus von Berlin-Bildern“: Im kürzlich bewilligten DFG-Projekt sollen ein qualitätsgesichertes Bildcorpus (> 100k Bilder), ein Metadaten-Modell mit Provenienz- und Lizenzinformationen, Normdaten für den historischen Stadtraum ebenso wie ein finegetunetes KI-Modell zur Objekterkennung und verschiedene nachnutzbare Workflows entstehen. Langfristige Ziele des Projekts sind das Training von generischen und spezialisierten KI-Modellen, automatisierte Identifikations- und Lokalisationsmöglichkeiten von Objekten in verschiedenen Medien u.v.m. Alexander Winklers Präsentation ist hier abrufbar: https://doi.org/10.5281/zenodo.22807170

Mehr zum DFG-Projekt gibt es bald hier und auf unseren weiteren Kommunikationskanälen.

Am 25.09. unterstützten Christoph Halbmeier und Xenia Kitaeva als Expert:innen die Landesvolontariatstagung des Berliner Museumsverbandes im Alliiertenmuseum. In mehreren Worldcafé-Sessions berieten sie Volontär:innen zu verschiedenen Themen der Digitalität und zu ihren Wegen in den Beruf mit besonderem Fokus auf den Bereich KI & Kulturerbe.

Vom 30.09.-02.10. fand die internationale Konferenz „Zugang gestalten! Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“ in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Die Konferenz stand in diesem Jahr unter dem Schwerpunktthema „Geschichtspolitik und Erinnerung“. Wie gehen Einrichtungen des Kulturerbes mit den Zeugnissen der Vergangenheit um? Nutzen sie diese, um bestimmte Sichtweisen historischer Entwicklungen zu stützen, oder überlassen sie die Bewertung den Nutzenden und ermöglichen vor allem den Zugang zu den Quellen?

Im Rahmen der Konferenz lud unser digiS-Kollege Marco Klindt, Mitentwickler des open-source-basierten Langzeitarchivierungssystems EWIG zur Diskussion der Frage „Fake History? Authentizität und vertrauenswürdige, digitale Langzeitarchivierung“ ein. Impliziert die Digitalisierung des kulturellen Erbes automatisch einen Verlust von Authentizität und Unmittelbarkeit? Wie könnten veränderte technische Bedingungen dabei helfen, diese wiederherzustellen? Die Präsentation ist bereits auf Zenodo verfügbar: https://doi.org/10.5281/zenodo.23229239

Veranstaltungshinweise für Q4 (Spoiler: digiS Jahreskonferenz) 

Hier geht es zu einer kleinen, nicht auf Vollständigkeit bestehenden, Auswahl an Terminen aus unserem Netzwerk für den Herbst. 

Für uns steht jedoch unsere Jahreskonferenz besonders im Fokus! In 46 Tagen ist es soweit (Stand 12.10.2026). 

Seit 09.09. ist das vorläufige Programm der digiS-Jahreskonferenz „Die Zukunft erinnert sich – Kulturerbe digital weiterdenken. Nachhaltig bewahren, offen teilen“ fertig, die Informationen zu Vorträgen und Vortragenden stehen fest und die Anmeldung für Online- und Präsenz-Teilnahme ist möglich: https://terminplaner.dfn.de/public/bookings/881fd9ed-0aa7-49db-8dca-d20e01f1dd09

Alles zum Programm und den Referent:innen gibt es hier auf unserer Webseite. Updates gibt es in regelmäßigen Abständen über unsere Mailingliste, bei Linkedin und Mastodon unter #KulturgutDigital.

EWIG macht und tut

Hinter den Kulissen wurde an der Infrastruktur von EWIG gearbeitet. Nach „außen“ wurden insbesondere die Datenaufbereitungswerkzeuge für Datenlieferant:innen verbessert. Die Metadatenverarbeitung in Best-Match für LIDO- und EAD-kodierte Datenexporte sind jetzt umfangreicher durch XPath-Ausdrücke konfigurierbar. Darüber hinaus gibt es im METS-Builder verbesserte Mappings von Herstellerangaben in LIDO-Datenexporten und die Möglichkeit, Datenpaketen aus Archiven jeweils die Archivtektonik mitzugeben.

Technische Einzelheiten gibt es unter EWIG Release Bessie Smith.

Neuigkeiten aus unserem Netzwerk 

Das Bibliotheksgesetz für Berlin („Gesetz zur Stärkung der Öffentlichen Bibliotheken im Land Berlin“) ist verabschiedet worden!

Besonders freuen wir uns über Artikel 5: „Darüber hinaus ist es Aufgabe des ZIB, die Informationsinfrastrukturversorgung für den Kultur- und Wissenschaftsstandort Berlin-Brandenburg durch den Betrieb der Zentrale des Kooperativen Bibliotheksverbundes Berlin-Brandenburg hinsichtlich technologischer, insbesondere datengetriebener Verfahren sowie konsortialer Strukturversorgungsaufgaben zu unterstützen.“