Kulturdaten sind ein zentrales Fundament unseres kulturellen Gedächtnisses. Sie ermöglichen wissenschaftliche Forschung, stärken zivilgesellschaftliches Handeln und unser kulturelles Erbe wird durch sie digital langfristig zugänglich. Damit dies auch in Zukunft gelingt, braucht es digitale Infrastrukturen, die verlässlich, offen und nachhaltig sind.
Unter dem Leitmotiv der diesjährigen digiS-Konferenz „Die Zukunft erinnert sich – Kulturerbe digital weiterdenken. Nachhaltig bewahren, offen teilen“ wollen wir aus unterschiedlichen Perspektiven mit unseren Gästen diskutieren, welche digitalen Infrastrukturen es braucht, um Kulturdaten krisenfest zu machen und handlungsfähig zu bleiben.
Wir freuen uns auf den Austausch mit euch und Ihnen und auf lösungsorientierte Impulse – verbunden mit einer guten Prise Optimismus und Vertrauen ins Gelingen.
Ausschreibung des digiS-Förderprogramms noch bis 15. Juli 2026, 13:00 Uhr
Ein inoffizieller Countdown als Spielerei unseres Kollegen Dr. Alexander Winker.
Bereits seit 2012 unterstützt die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen ZusammenhaltKultureinrichtungen in Berlin dabei, ihre Sammlungen und Bestände digital zu erschließen und für die Öffentlichkeit online zugänglich und möglichst offen nachnutzbar zu machen. In diesem Jahr können sich Berliner Kulturerbeinstitutionen noch bis zum 15. Juli 2026, 13:00 Uhr für das Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin für das Jahr 2027 bewerben. Die Bewerbung erfolgt online über das Serviceportal des Landes Berlin, alle Informationen für eine erfolgreiche Bewerbung inklusive der einzureichenden Unterlagen stehen hier auf der digiS-Webseite.
Veranstaltungs- und Workshoprückblick
Bitte auf den jeweiligen Monat klicken, um einen detaillierten Einblick in digiS-Tätigkeiten zu bekommen!
Am 13. April führten Xenia Kitaeva und Marco Klindt mit dem Auftakt der 2025 ins Leben gerufenen Reihe „Machine-Learning-Montag“ (MLM) interessierte Mitarbeitende aus Kulturerbeinstitutionen in die Grundlagen des Maschinellen Lernens ein. „What the Hype?“ vermittelte Hintergrundwissen, das dabei hilft, sich im Machine-Learning-Diskurs zurechtzufinden und Hype von sinnvoller Anwendung unterscheiden zu können.
Die Folien zu Teil 1 der Veranstaltung liegen hier, ein Video-Mitschnitt kann hier angesehen werden:
Am 20. April fand der Workshop „Wikidata für die Sammlungserschließung“ mit Dr. Alexander Winkler statt: Wikidata ist ein großer, generischer, offener, frei editierbarer Wissensgraph, der Informationen buchstäblich über Gott (Q190) und die Welt (Q2) vorhält – sowie über mehr als 120 Millionen andere Entitäten. Für GLAM-Einrichtungen ist das Potenzial von Wikidata erheblich: In Wikidata lassen sich Informationen zu Objekten, Personen, Orten, Bauwerken und vielem mehr pflegen, und es können bei Bedarf neue Datensätze erstellt werden. Wikidata ist somit als flexibler Ad-hoc-Normdatengenerator eine optimale Ergänzung zur Gemeinsamen Normdatei (GND). In Wikidata können zudem Identifikatoren aus unterschiedlichen Quellen verzeichnet werden, was ihn zu einem zentralen Knotenpunkt für Normvokabulare, Kataloge und Datenbanken macht. Die Veranstaltung erkundete Potenziale von Wikidata für die Sammlungserschließung und zeigte, wie erste Schritte einer GLAM-Institution ins sogenannte ‚Wikiversum‘ aussehen könnten. Die Slides sind hier zu finden: https://doi.org/10.5281/zenodo.19050864.
Am 23. April gab Xenia Kitaeva zusammen mit Evgeny Kalachikhin von der Filmuniversität Babelsberg die Fortbildung „KI einsetzen beim Erstellen von Erklärvideos“. Die Verwendung von KI-Tools bei der Videoproduktion kann dabei helfen, Untertitel zu erstellen sowie automatisiert Übersetzungen und Transkriptionen zu produzieren – sogar Machine-Learning-basierte Videobearbeitung als Gesamtpaket ist möglich. Interessant ist ebenfalls der Einsatz von KI-Avataren: Einerseits können lebensechte KI-Sprecher:innen für Ihre Videos erstellt werden, andererseits können Sie sich selbst zum Avatar „klonen“. Dieses Seminar beinhaltete einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten von KI-Video-Tools, ein Praxis-Experiment mit den gezeigten Instrumenten sowie Raum für Diskussionen zur Kosten-Nutzen-Rechnung des Einsatzes von KI-Tools und dem Mehrwert von KI-generierten Videos. Die Folien zum Beitrag von Xenia Kitaeva liegen hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.19696533.
Ebenfalls am 23. April hat sich das Zuse-Institut Berlin erneut am bundesweiten Girls‘Day beteiligt. Gemeinsam mit dem Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin wurde für ca. 100 Schülerinnen ein abwechslungsreiches Programm angeboten. In acht Workshops haben sich die Teilnehmerinnen mit verschiedenen Fragestellungen aus Mathematik und Informatik befasst und konnten an einer Führung zum Supercomputer „Lise“ (n. Lise Meitner) teilnehmen.
Am 27. April fand der zweite Machine-Learning-Montag „KI und Recht für Kulturerbe-Einrichtungen: Vortrag und Q&A“ mit Prof. Dr. Paul Klimpel (iRights.Law) und entsprechendem juristischen Fokus statt. Für viele Kulturerbeeinrichtungen stellt sich die Frage, wie der Einsatz von KI in unterschiedlichen Konstellationen rechtlich zu bewerten ist. Da hierbei noch viele Unsicherheiten bestehen, wurden in diesem Workshop der aktuelle Stand der Rechtsprechung sowie auch der Gesetzgebung in Hinblick auf KI erläutert. Drei digiS-Take-aways des inhaltsgeladenen Workshops sind: Der Output generativer KI ist rechtlich nicht geschützt; künstlerische Stile sind nicht geschützt; die CC Signals sind hilfreich, haben jedoch keine Rechtsverbindlichkeit.
Für weitergehende Informationen zum Thema „KI und Recht für Kulturerbeinstitutionen“ bitte hier entlang:
Vom 10. bis 13. Mai 2026 fand die Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes (Jahrestagung – Deutscher Museumsbund e.V.) in Münster statt und digiS hat sich online dazugeschaltet. Das diesjährige Thema „Museen öffnen! Vielfalt als Chance“ wurde aus zahlreichen Perspektiven diskutiert. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns der Impuls von Dr. Maaike van Rijn zum Thema „Vielfältige Perspektiven sammeln“ (Sessions 2026 – Deutscher Museumsbund e.V.) und die daran anschließende Fishbowl-Podiumsdiskussion. In dieser Session sprach die Leiterin der Abteilung Kunst- und Kulturgeschichte des Landesmuseums Württemberg über die Diversifizierung von Sammlungen und die partizipative Ergänzung von Datenbanken. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass Diversifizierung nicht als einmaliges Projekt, sondern als kontinuierlicher Prozess verstanden werden sollte. Neue Perspektiven, diskriminierungssensible Sprache und die Einbindung externer Expert:innen tragen dazu bei, bestehende Narrative zu erweitern und kulturelles Erbe vielfältig abzubilden. Insgesamt boten die Anregungen der Tagung wertvolle Denkanstöße, die wir in unsere zukünftige Arbeit und in den Austausch einfließen lassen möchten.
Auf der jährlich stattfindenden Konferenz der Bibliothekswelt im DACH-Raum, der Bibliocon, dieses Jahr vom 19. bis 22. Mai in Berlin, war digiS mit mehreren Veranstaltungen vertreten. Marco Klindt warf ein Schlaglicht auf einen verkannten zentralen Baustein der digitalen Infrastruktur: die Uniform Resource Identifier, kurz URIs. Ohne URIs, so der eindringliche Hinweis, keine Wissensgraphen und keine verlässliche Referenzierung von Objekten im digitalen Raum (https://doi.org/10.5281/zenodo.18801549). Dr. Alexander Winkler nahm in seinem Vortrag die Verzeichnisse der im deutschsprachigen Raum erschienenen Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts unter die Lupe. Er zeigte einerseits Potenziale für die Forschung, andererseits aber auch problematische Limitationen in der Art der Bereitstellung auf (https://doi.org/10.5281/zenodo.18703820). In die praktische Arbeit mit Kulturerbedaten führte er in einem Hands-on-Workshop zu den „Schnittstellen des Kulturerbes“ ein. Darin wurde grundlegend die Funktionsweise von Schnittstellen erklärt und dann anhand von interaktiven Juypter-Notebooks ganz praktisch mit Schnittstellen interagiert (https://doi.org/10.5281/zenodo.18756303). In einer offenen Diskussionsrunde, die Alexander Winkler zusammen mit anderen ‚Wikimedians‘ moderierte, wurde ein knapper Überblick über die Möglichkeiten des Wikiversums speziell für Bibliotheken gegeben (https://doi.org/10.5281/zenodo.20324473)
Die BiblioCon 2026 hat gezeigt, dass viele Kulturinstitutionen in sehr unterschiedlichen Anwendungsbereichen mit KI experimentieren. Während sich viele Anwendungen im Prototypenstatus befinden, zeigen vor allem die Anwendungsbeispiele großer Institutionen, dass KI auch für umfangreiche Bestände und im operativen Betrieb eingesetzt werden kann. Im Zwiespalt befindet sich die Community dabei beim Thema der digitalen Souveränität. Einerseits weisen einige Vortragende auf die Risiken von technologischer Abhängigkeit hin. Andererseits nutzen viele der vorgestellten Projekte vortrainierte Modelle und KI-Dienste US-amerikanischer und chinesischer Tech-Unternehmen. Nur wenige Kulturinstitutionen trainieren eigene KI-Modelle, sodass die technologische Abhängigkeit des Kultursektors durch die zunehmende Nutzung von KI zukünftig eher wachsen wird.
Vom 18.-20. Mai holten wir uns bei der re:publica viel Inspiration zu allen Bereichen der Digitalität. Besonders schön war es, Kolleg:innen von kulturBdigital/der Technologiestiftung, von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und aus einigen Berliner Museen zu treffen. Unsere Kulturerbe-Highlights aus dem Programm können hier bei Youtube nachgesehen werden:
Lisa Pfeiffer vom Museum für Naturkunde Berlin und ELIO
Museums and the Internet= MAI-Tagung. In diesem Jahr trafen sich vom 28.-29. Mai ca. 150 Teilnehmer:innen aus dem erweiterten Museumsumfeld im Historischen Museum in Frankfurt am Main um sich zu den Themen „KI für Museen“, Digitale Erinnerungskultur und Serious Games auszutauschen und gemeinsam voneinander zu lernen (Programm). Joshua Ramon Enslin (Freies Deutsches Hochstift, Entwickler bei museum-digital) und Xenia Kitaeva (digiS) stellten auf der Tagung ein Einsatzszenario für LLMs in der Museumsdokumentation vor. Konkret zeigte der Vortrag auf, wie Nutzer:innen von museum-digital ihre Objektbeschreibungen von KI generieren lassen können. Mehr zu LLM-generierten Objektbeschreibungen: https://blog.museum-digital.org/de/2025/06/19/ki-objektbeschreibungen/
Am 06. Juni war mal wieder Lange Nacht der Wissenschaften in Berlin:Das vielseitige Programm am ZIB bereicherte Museumsdirektor Marco Klindt mit einer Führung durch das historische Computermuseum.
Angehende Bilbliothekar:innen, Archivar:innen und Informationswissenschaftler:innen lernten am 08. Juni in einem Sommersemester-Wahlpflichtseminar von Prof. Dr. Felix Schäfer an der FH Potsdam das Wikiversum näher kennen. Die einzelnen Sitzungen werden von Praktiker:innen aus verschiedenen Sparten und Einrichtungen mitgestaltet. Dr. Alexander Winkler brachte den Studierenden in einer Doppelsitzung die Grundlagen von Linked Data und der Abfragesprache SPARQL sowie die Arbeit mit dem Datenbereinigungstool OpenRefine näher (https://doi.org/10.5281/zenodo.20324473).
Vom 17. bis 18. Juni fand in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz die Tagung „Schreibt KI Geschichte?“ statt, die sich um den kritischen Einsatz von KI für Forschungs- und Bildungszwecke, insbesondere in Bezug auf Holocaust und Nationalsozialismus drehte. „Im Januar 2026 veröffentlichten über 30 Gedenkstätten eine gemeinsame Erklärung. Darin wiesen sie auf die stetige Zunahme gefälschter, KI-generierter Bilder zu Holocaust und NS-Verbrechen hin und forderten zu einem entschiedeneren Vorgehen gegen solche Formen einer Fake History auf.“. Unsere Kollegin Xenia Kitaeva moderierte zum Abschluss des ersten Tages einen Austauschraum. Die Alfred Landecker Foundation hat einen ausführlichen Nachbericht der gesamten Konferenz veröffentlicht: https://www.alfredlandecker.org/de/article/schreibt-ki-geschichte.
Mitte Juni – die Zeit rast und so auch die digiS-Projektpartner:innen mit ihren Digitalisierungsvorhaben 2026. Acht der neun Projekte waren am 18. Juni für das traditionelle digiS-Halbjahrestreffen zu Gast am ZIB, um die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und natürlich das digiS-Team über den aktuellen Projektstand zu informieren sowie einen ersten Blick auf das zweite Halbjahr zu werfen. Alle Projekte sind im ersten Quartal gestartet und sie stecken trotz einzelner Verzögerungen mitten in der Arbeit.
Im Nachgang zum digiS-Halbjahrestreffen gaben Anja Gerber von NFDI4Objects/Klassik Stiftung Weimar und Dr. Alexander Winkler einen Präsenz-Workshop zur Datenbereitstellung für die Forschung. Es ging dabei um die Frage, wie Sammlungsdaten so verfügbar gemacht werden können, dass sie möglichst gut und einfach von verschiedenen Zielgruppen weiterverwendet werden können. Schnittstellen und Dokumentation spielen hier eine große Rolle. Auch die Bereitstellung der Daten über die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) – worauf auch das digiS-Förderprogramm großen Wert legt – spielt hierbei eine wichtige Rolle. Denn über die DDB lassen sich Objektmetadaten in maschinenlesbarer Form über eine Programmierschnittstelle beziehen. Die Folien des Workshops gibt es hier. Auch auf bereits ältere Folien zur Nutzung der DDB-Schnittstelle sei an dieser Stelle nochmals verwiesen: https://doi.org/10.5281/zenodo.13866558.
digiS macht und tut
Updates zum KI-Projekt
Das Stadtmuseum Berlin macht seine Sammlung für Nicht-Expert:innen zugänglicher und entwickelt hierfür einen KI-basierten Workflow zur Metadatengenerierung. Der Workflow generiert GND-normierte Schlagworte in zeitgemäßer, barrierearmer und ethisch geprüfter Sprache. Dabei nutzt das Stadtmuseum eine Kombination aus verschiedenen Large Language Models, die in Aufgabenteilung die Digitalisate sequenziell bearbeiten und sich gegenseitig prüfen. Der Workflow setzt dabei auf selbst gehostete Open-Source-Modelle und umfassende Modell-Prompts, die ethische und museologische Regeln zur Qualitätssicherung kodifizieren. digiS hat den innovativen Ansatz im Rahmen seines KI-Projektes aufgegriffen. Ziel ist es, den Workflow in Kooperation mit dem Stadtmuseum und dem Landesarchiv Berlin wissenschaftlich zu bewerten und seinen Einsatz für Bestände anderer Kulturerbeeinrichtungen zu fördern.
Save the Date! 27. November 2026, 10-16 Uhr – digiS-Jahreskonferenz
Die Zukunft erinnert sich – Kulturerbe digital weiterdenken. Nachhaltig bewahren, offen teilen
Begegnungen und Standpunkte von Hubertus von der Goltz, Berlin-Marzahn-Hellersdorf.|Foto: Singlespeedfahrer|Lizenz: CC0 1.0
Digitale Resilienz ist das Leitmotiv/-thema der Jahreskonferenz 2026. Aus unterschiedlichen Perspektiven wollen wir mit unseren Gästen diskutieren, welche digitalen Infrastrukturen es braucht, um Kulturdaten krisenfest zu machen und handlungsfähig zu bleiben. Wie lässt sich Digitalisierung in Institutionen nachhaltig umsetzen? Was bedeutet eine FAIrRe und offene Bereitstellung von Daten? Welche Rolle können KI-Anwendungen für digitale Nachhaltigkeit und Resilienz spielen? Und welche Werkzeuge, Erfahrungen und Kooperationen stehen uns bereits heute zur Verfügung, um uns verlässlich und lösungsorientiert durch die vielfältigen Herausforderungen des digitalen (Kulturdaten-)Lebens zu bringen? Und natürlich werden sich auch die diesjährigen Projektpartner:innen wieder bei der traditionellen Minute Madness und Postersession präsentieren.
Handreichung: Wikidata in Museen, Archiven und Bibliotheken
„Digitalisierte Sammlungen entfalten ihr volles Potenzial für Forschung, Vermittlung und Partizipation erst in der Vernetzung untereinander, als verknüpfte offene Kulturdaten. Die offene Wissensdatenbank Wikidata ist hier ein wichtiger Knotenpunkt. Zum Beispiel sind weltweit über eine Million Gemälde in Wikidata erfasst. (…) Doch was bedeutet das für die Sammlungen? Welche Vorteile hat es, zu diesem offenen Wissensspeicher beizutragen? Und was ist besonders an dieser Community-Plattform? Mit dieser Handreichung stellen wir die Vorteile von Wikidata für Kulturerbeinstitutionen vor!“ (Lukas Fuchsgruber, Wikimedia Deutschland)
„Open Research soll der Standard für die Produktion, Vermittlung und Nachnutzung von Wissen in Berlin werden: Auf dieses strategische Ziel haben sich Vertreter*innen der Berliner Wissenschafts- und Kulturerbe-Einrichtungen in einem neuen Positionspapier geeinigt. Verfasst hat das Papier die Landesinitiative Open Research Berlin, der Prozess wurde durch das Open Research Office Berlin koordiniert. Hintergründe und Inhalt des neuen Papiers werden im Folgenden kurz erläutert. Mit der Veröffentlichung startet eine öffentliche Kommentierungsphase, so dass sich alle Interessierten einbringen und den Prozess mitgestalten können.“ (Neufend, M. (2026): Berliner Landesinitiative veröffentlicht Positionspapier zur Entwicklung von Open Research. Open Research Blog Berlin. https://doi.org/10.59350/095nq-pd042.)
Neue Studie des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung zeigt: Jeder Euro Kulturförderung bringt Berlin mehr als 3,50 Euro zurück
„Öffentliche Kulturförderung ist eine Investition, die sich für Berlin vielfach rentiert: Das zeigt die neue IKTf-Studie ‚Kultur als Standortfaktor in Berlin‘, die von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt gefördert wurde. Erstmals werden die ökonomischen Effekte von Kultur umfassend und datenbasiert analysiert, dabei werden auch individuelle und gesellschaftliche Wirkungen von Kultur berücksichtigt.
Das zentrale Ergebnis: Jeder Euro, den das Land Berlin in Kultur investiert, erzeugt durchschnittlich mehr als 3,50 Euro wirtschaftliche Rückflüsse. Den jährlich rund 528 Millionen Euro Kulturförderung stehen 1,88 Milliarden Euro an Rückflüssen gegenüber – ein Überschuss von mehr als 1,35 Milliarden Euro jährlich. Berücksichtigt man zusätzlich drei gesondert ausgewertete Gedenkstätten und Erinnerungsorte mit ihrem besonders hohen touristischen Besuchsaufkommen, steigt der jährliche Gesamtrückfluss sogar auf bis zu 4,65 Milliarden Euro.“ Weiterlesen
Danke für die Aufmerksamkeit, GaliGrü und ein schönes Q3 allerseits!
Begegnungen und Standpunkte von Hubertus von der Goltz, Berlin-Marzahn-Hellersdorf.|Foto: Singlespeedfahrer|Lizenz: CC0 1.0
Am 27. November 2026 findet die nächste digiS-Jahreskonferenz bei uns am Zuse-Institut Berlin und online statt.
Termin: Freitag, 27. November 2026 Zeit: 10:00 – 16:00 Uhr Ort: Zuse-Institut Berlin (ZIB), Takustr. 7, 14195 Berlin & online
In diesem Jahr tagen wir zu dem Thema „Die Zukunft erinnert sich – Kulturerbe digital weiterdenken. Nachhaltig bewahren, offen teilen“ und widmen uns den Herausforderungen und Perspektiven der digitaler ‚Resilienz’: (Daten-)Souveränität, nachhaltige Archivierung und Bereitstellung von Daten und Infrastrukturen. Gemeinsam möchten wir diskutieren, wie Kulturdaten langfristig zugänglich und krisenfest bleiben können, was eine offene und FAIRe Bereitstellung von Daten bedeutet und welche Rolle KI-Anwendungen für digitale Nachhaltigkeit spielen können.
Wir freuen uns auf den Austausch und auf lösungsorientierte Impulse, verbunden mit einer guten Prise Optimismus und Vertrauen ins Gelingen!
Ausführliche und fortlaufend aktualisierte Informationen sind wie immer hier, bei Mastodon, Linkedin und über unsere Mailingliste.
Für den Juni empfehlen wir wieder einige Veranstaltungen aus dem digiS-Umfeld (mit Beiträgen von uns und ohne), vielleicht ist ja etwas für euch dabei:
06.06. Lange Nacht der Wissenschaften (Berlin)
Am Zuse-Institut Berlin ist die Nacht wieder lang. Verpasst nicht die Chance auf eine Führung durch das Computermuseum mit Marco Klindt!
11.-12.06. WikiKult Netzwerktreffen, Thema „Wikidata in Kulturerbeinstitutionen” (Berlin)
Die WikiKult-Gruppe ist ein Netzwerk von Expert:innen und Interessierten aus dem Kulturerbe-Sektor (Bibliotheken, Archive, Museen und Forschung), das sich spartenübergreifend zur Arbeit mit offenen Kulturdaten austauscht. Unser Kollege Alexander Winkler ist aktives Mitglied und das Netzwerktreffen richtet sich an alle Interessierten, die mehr über die praktischen Einsatzmöglichkeiten von Wikidata erfahren möchten.
Heute, am 12. Mai 2026, beginnt die Ausschreibung des „Förderprogramms zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin“ der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt für das Jahr 2027.Die Ausschreibungsfrist für den Online-Antrag des Förderprogramms 2027 endet am 15. Juli 2026, 13 Uhr.
Die Förderung steht wie immer unter dem Vorbehalt der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel.
Gegenstand der Förderung ist die spartenübergreifende Digitalisierung von herausragenden oder stark nachgefragten Kulturgütern, die repräsentativ für Berlin bzw. für die jeweiligen Kultureinrichtungen sind. Ziel dieses Förderprogramms ist es, die Digitalisate und Daten von Kulturerbeeinrichtungen mit Sitz in Berlin online, unter anderem über das Portal der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), sichtbar und verfügbar zu machen und für die langfristige Nachnutzbarkeit der Daten sowie die Vermittlung der digitalen Inhalte zu sorgen.
Im Förderprogramm 2027 wird kein thematischer Schwerpunkt gesetzt. Alle Themen sind willkommen! Die Schwerpunkte der Förderung liegen auf der nachhaltigen Digitalisierung der Sammlungen und Bestände des kulturellen Erbes, der möglichst offenen Bereitstellung/Zugänglichkeit der Daten (Digitalisate und Metadaten), und damit auch ihrer „FAIRmittlung“. Die Aufbereitung der Daten ist zentraler Punkt der Förderung und der Projekte.
Wir freuen uns über Kooperationsprojekte, die Objekte verschiedener Einrichtungen gemeinsam sichtbar und nachnutzbar machen. Falls Sie sich mit einem Projekt zur Dekolonisierung bei uns bewerben möchten, ist auch dies ausdrücklich möglich.
Zur Vorbereitung des Projektantrages informieren Sie sich bitte anhand der aktuellen Förderrichtlinie über die Förderkriterien. Bitte schauen Sie auch in unsere für Sie erstellten Begleitdokumente und weiterführende Informationen:
Wir beraten Sie gern im Vorfeld der Antragstellung bei der Entwicklung von Projektideen und bei der Vorbereitung des Projektantrages. Melden Sie sich dazu frühzeitig per Mail bei uns: digis@zib.de
Machen Sie sich rechtzeitig vor Abgabe des Antrags am 15. Juli 2026 um 13:00 Uhr mit dem Online-Antragsformular vertraut. Das Antragsformular finden Sie im Serviceportal des Landes Berlin. Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung!
Weitere Informationen zum Ausschreibungsverfahren und wichtigen Terminen sowie die für das Förderprogramm 2027 aktuelle Förderrichtlinie der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes finden Sie hier.
Der Wonnemonat Mai ist bei digiS wie so oft mit (externen) Veranstaltungen gefüllt! Damit wir uns über den Weg laufen, haben wir eine kleine Übersicht erstellt:
re:publica vom 18.-20.05. – im Publikum holen wir uns viel Inspiration zu allen Bereichen der Digitalität
BiblioCon vom 19.-22.05. – Alexander Winkler und Marco Klindt sind in verschiedenen Konstellationen als Vortragende dabei, viele weitere Menschen aus dem digiS- und KOBV-Team tummeln sich am KOBV-Stand und im Publikum
Kieler Dialog am 21.05. – Unser Lieblingsmathematiker (und Chef) Prof. Dr. Thorsten Koch hält im dann doch nicht ganz so fernen Norden den Vortrag „KI, Kultur und gesellschaftlicher Wandel – ein Reisebericht aus dem fahrenden Zug“
MAI-Tagung vom 28.-29.05. – Joshua Ramon Enslin (Freies Deutsches Hochstift, museum-digital) und Xenia Kitaeva stellen digital affinen Museumsmenschen die LLM-generierten Objektbeschreibungen bei musdb vor
Dreh- und Angelpunkt eines jeden digiS-Jahres sind die Digitalisierungsprojekte, über die wir hier schon berichtet haben. Am 29. Januar trafen wir uns zum Auftakttreffen der Projekte 2026 bei uns am Zuse-Institut Berlin und spätestens seitdem sind die Projekte in vollem Gange.
Heute schon an 2027 denken: digiS-Infotag
Am 17.03. fand der digiS-Infotag statt, der sich an alle Berliner Institutionen richtet, die Kulturgut digital zugänglich machen möchten und ein entsprechendes Projekt planen. Denn das „Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes Berlin“ bietet vorbehaltlich zur Verfügung stehender Haushaltsmittel auch 2027 wieder die Möglichkeit, Fördermittel für Digitalisierungsprojekte zu beantragen. Neben einem ausführlichen Überblick von Anja Müller (digiS-Leitung) über alle Fakten und Fun Facts des Förderprogramms war ausreichend Zeit für Fragen in der großen Runde. Im Anschluss gab es Einzelberatungen zu den ersten spannenden Ideen verschiedener Kulturerbeinstitutionen.
Ausschreibung 2027 (erste Informationen, unter Haushaltsvorbehalt)
Infotag verpasst aber Digitalisierungsidee (und Berliner Kulturerbe) vorhanden? Meldet euch bei uns! Bitte lest vorab die aktuelle „Förderrichtlinie zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes Berlin 2026“ sowie unsere Erstellungshilfe und die FAQ. Diese Dokumente helfen dabei, das Projekt auf die Anforderungen der Förderung abzustimmen. Alle Dokumente werden vor der nächsten Ausschreibung noch aktualisiert.
Die Ausschreibung für 2027 wird am 12.05.2026 veröffentlicht. Sie endet am 15.07.2026, 13:00 Uhr.
Veranstaltungs- und Workshoprückblick
Wie in jedem Quartal fanden bei digiS einige öffentliche Workshops und weitere Veranstaltungen statt. Und auch in Q1 schon haben digiS-Kolleg:innen sich (mit Vorträgen oder nur zum Gucken) auf externen Veranstaltungen getummelt. Der Januar 2026 war etwas ruhiger und geprägt vom Start der neuen Projekte – die wichtigste Veranstaltung war für uns demzufolge das Auftakttreffen.
Februar
Am 10.02. machte sich Marco Klindt für den ersten Schwung Workshops warm, indem er mit einer kleinen git-Einführung für die LIDO-AG und Interessierte einstieg. Am 24.02. ging dann mit den Basics der alljährliche digiS-Workshop-Rummel los: Ebenjener Marco Klindt hielt einen Impulsvortrag zu „Grundlagen technischer Digitalisierung“ und beantwortete Fragen zu den altbewährten eLectures. Fun Fact: Wenn Dinge nicht standardisiert digitalisiert werden, entstehen unverständliche Zeichen, und natürlich gibt es einen japanischen Begriff dafür: Mojibake.
Vom 23.-27.02. war Alexander Winkler für digiS auf der diesjährigen Jahrestagung des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd) in Wien. Das Tagungsthema „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ entspricht unseren Zielen, Sammlungen, Sammlungsobjekte und nicht-textuelle Daten auch für die geisteswissenschaftliche Forschung verfügbar und gut nutzbar zu machen. Mit anderen Mitgliedern der DHd-AG „Sammlungen als Daten“ hat Alexander Winkler einen gut besuchten Workshop „Sammlungsdaten als Forschungsdaten in den Digital Humanities“ (Abstract: https://doi.org/10.5281/zenodo.18702753) gegeben, in dem Fragen zur Genese, optimalen Bereitstellung und Nutzung von Sammlungsdaten diskutiert wurden.
Beherrschendes Thema der Konferenz war auch dieses Jahr die Künstliche Intelligenz in all ihren Facetten. Auch die digitale Kunstwissenschaft mit Fokus auf Computer Vision war dieses Jahr gut im Programm vertreten. Einen umfassenden Einblick in die Fülle der Vorträge, Workshops und Poster und in gewisser Weise auch in den Status Quo der digitalen Geisteswissenschaften in Deutschland bietet das üppige Book of Abstracts zur Veranstaltung (https://doi.org/10.5281/zenodo.18591948). Hier zudem eine Nachlese auf dem DHd-Blog: https://dhd-blog.org/?p=23520
März
Digitalisierungsexpert:innen in Aktion beim Hands-On-Workshop
In Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle Brandenburg Digital an der Fachhochschule Potsdam fand auf dem dortigen Campus am 02.03. der Workshop „Hands-On Technische Digitalisierung“ statt. Im Digitalisierungslabor wurden praktische Aspekte von Aufsicht-, Durchsicht- und Flachbettscannern und Eigenschaften von Scan-Softwarelösungen demonstriert und diskutiert. Insbesondere ging es um Messungen von Auflösungen, Unterschiede und Anwendungsszenarien von Farbkeilen und Color-Targets und Möglichkeiten und Besonderheiten beim Digitalisieren von Schwarz-Weiß- und Farbnegativen. Ziel war es, den Teilnehmenden Wissen zu vermitteln, um die Kommunikation mit Dienstleistenden zu verbessern.
Am 04.03. führten Anja Müller und Anna-Lena Nowicki zusammen mit Prof. Dr. Paul Klimpel eine EUIPO-Praxiseinführung für die Projekte 2026 durch. Die interne Veranstaltung wurde mit Erfahrungsberichten zum EUIPO-Portal durch Stephanie Wintermann (Mitte Museum) und Antje Stritzke (Technikmuseum Berlin) bereichert. Die durch das EUIPO-Portal erhoffte Vereinfachung bei der öffentlichen Zugänglichmachung von Kulturerbe-Objekten („vergriffene Werke = nicht-verfügbare Werke“, „verwaiste Werke“) hält in der praktischen Umsetzung leider noch einige Unwägbarkeiten parat. In diesem Jahr werden wir dazu dank des Digitalisierungsprojekts der Gedenkstätte Hohenschönhausen sicherlich weitere praktische Erkenntnisse gewinnen.
Am 09.03. hielt Alexander Winkler den Workshop „Einsatz und Anwendung kontrollierter Vokabulare und Normdaten“. Im Workshop wurden zunächst die wesentlichen Inhalte der als Video online bereitgestellten eLecturerekapituliert und Fragen diskutiert. Im Mittelpunkt stand aber die praktische Anwendung kontrollierter Vokabulare anhand einiger Beispiele und das gemeinsame Ausprobieren verschiedener Recherchemöglichkeiten in den gängigen großen kontrollierten Vokabularen (GND, AAT, Iconclass, Geonames, Wikidata). Die Folien stehen hier zur Verfügung: https://doi.org/10.5281/zenodo.18591757
Unter dem Themenschwerpunkt „Digitalisierung für die Ewigkeit? – Datenqualität in der Praxis“ fand vom 19.-20.03 die achte Ausgabe der Workshopreihe zu Retrodigitalisierung in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Marco Klindt stellte bei seinem Vortrag „Master bitte als TIFF, Nutzerderivate als JPEG?! Eine kurze Einführung in Dateiformate für Bilder anhand von TIFF und EXIF“ Ideen und Strukturen von Dateiformaten vor. Die Folien zum Vortrag sind hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.19384380. Während des Workshops wurde von den 110 Teilnehmenden aus D-A-CH anschließend diskutiert, wie mit dem enormen Speicherbedarf zur Bewahrung von Masterdigitalisaten umgegangen werden könnte und ob es an der Zeit wäre, TIFF unkomprimiert durch ein anderes, verlustfrei-komprimiertes Format zu ersetzen. Diese Diskussion wird wohl noch weitergeführt werden müssen.
Am 24.03. führte Marco Klindt ein Q&A zu den „Metadaten I“-eLectures durch, die die konzeptionellen Hintergründe und Probleme bei der Erschließung von Objekten des kulturellen Erbes im Digitalen vermitteln. Kulturerbe-Daten sind nur nachhaltig (nach-)nutzbar, wenn sie interoperabel erfasst und exportiert werden.
Am 25.03. fand der erste digiS-Stammtisch, die „GND-Fischer-Bowl“, für die Projektpartner:innen 2026 statt. In entspannter Runde diskutierte Barbara Fischer von der Arbeitsstelle für Standardisierung bei der Deutschen Nationalbibliothek diskutierte mit uns und den digiS-Partner:innen über den Öffnungsprozess der Gemeinsamen Normdatei (GND) für die Bedarfe von Einrichtungen nicht-bibliothekarischer Sparten wie Museen, Archive, Gedenkstätten etc. Nachzulesen sind unsere Fragen und Barbaras Antworten auch bei Linkedin.
09.04. DDB-Sprechstunde (Online, keine Anmeldung notwendig)
30.04. Workshop „Vom Sammlungsobjekt zum Objektdatensatz. Das LIDO-Format als Standard für die Beschreibung von Kulturobjekten“ (Online, Anmeldung: https://events.nfdi4culture.de/event/53/)
…Weitere interessante Hinweise aus dem Open Research Office Berlin hier
Personalia
Im Februar konnten wir zwei neue Kolleg:innen bei digiS/KOBV begrüßen: Judith Schönbohm für das EWIG-Team und Christoph Halbmeier, der für ein gemeinsames Projekt von KOBV und digiS (s.u.) das Team bereichert.
digiS macht und tut
Neues Projekt
Die dynamische Entwicklung neuer KI-Modelle bringt Unsicherheiten hinsichtlich ihrer Potenziale und Limitationen mit sich, die auch den Kulturbereich betreffen. digiS und KOBV haben daher ein Projekt initiiert, das Einrichtungen des kulturellen Erbes bei der Bewertung und Erprobung von KI-Anwendungen unterstützt: Ziel ist es, ausgewählte Modelle und Workflows prototypisch zu testen und eine fundierte Grundlage für ihren Einsatz in der Sammlungserschließung zu schaffen. Im Fokus stehen zunächst Aufgaben der Bilderschließung auf Basis von digitalisierten Beständen der Stiftung Stadtmuseum Berlin und des Landesarchivs Berlin, die in den vergangenen Jahren gemeinsam mit digiS aufgebaut wurden und unter anderem am ZIB im digitalen Langzeitarchiv EWIG verwahrt werden. Diese wichtige Kombination aus umfangreichem Bildmaterial und der leistungsfähigen Infrastruktur des ZIB ermöglicht eine systematische Erprobung von KI-Verfahren, um diese auf verantwortungsvolle Weise im Kulturbereich nutzbar zu machen. Zum Projektauftakt fand Mitte Februar ein erstes gemeinsames Treffen der beteiligten Institutionen statt.
Kulturfördergesetz
Zusammen mit der Berliner Kulturkonferenz e.V. „(…) hat sich die Berliner Kulturlandschaft in überwältigender Zahl auf den Weg gemacht, um ihre eigene Zukunft zu schreiben.“ (S. 7)
15 Fachgruppen mit übergreifenden und spartenspezifischen Handlungsfeldern haben auf knapp 150 Seiten ihre Empfehlungen für verschiedene Bereiche der Kultur erarbeitet – Geleitet von den Kolleginnen von kulturBdigital stellte die Fachgruppe Digitalität (digiS vertreten von Anja Müller und Xenia Kitaeva) in einem kollaborativen Prozess u. a. fest:
„Digitalisierung bildet die Grundlage für Digitalität: Erst durch die digitale Erfassung, Speicherung und Verfügbarkeit von Informationen entstehen neue kulturelle Möglichkeitsräume. Digitalität wiederum ist Voraussetzung für eine aktive gesellschaftliche Gestaltung im digitalen Zeitalter.“ (S. 72)
Das Thema Digitalität im Kulturbereich ist nur eine Facette bzw. acht sehr komprimierte Seiten Lektüre im Kulturfördergesetz-Reader, für uns aber natürlich täglich Brot, weswegen wir den Text nun (nochmals) wärmstens empfehlen wollen.
Im Februar wurde bekannt, dass sich die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) aufgrund erheblicher Mittelkürzungen von 20% im laufenden Jahr gezwungen sieht, ihren beliebten Service DDBStudio einzustellen. Mit DDBStudio wurden in den letzten Jahren nahezu 300 virtuelle Ausstellungen zu den verschiedensten Themen veröffentlicht. Auch viele digiS-Projekte eröffneten (und eröffnen) mit einer virtuellen Ausstellung einen anderen, komplementären Blick auf die digitalisierten Objekte. Die virtuellen Ausstellungen existieren als Unterseiten des Webauftritts der DDB, sind jedoch nicht anderweitig mit Metadaten versehen oder katalogisiert. Die FAIR-Prinzipien für gute Datenqualität sehen vor, dass Daten mit ausführlichen Metadaten versehen werden, die im Idealfall auch dann noch erhalten sind, wenn die Daten selbst nicht mehr zur Verfügung stehen (A2, vgl. https://www.go-fair.org/fair-principles/a2-metadata-accessible-even-data-no-longer-available/). Wikidata bietet hier eine niedrigschwellige Lösung zur Erschließung der Ausstellungen.
Sollte DDBStudio nun gänzlich dem Rotstift zum Opfer fallen, lässt sich nun zumindest über die Metadaten in Wikidata nachvollziehen, welche Ausstellungen es gab, wer sie wann publiziert hat und in vielen Fällen auch, mit welchen Themen sie sich beschäftigten. Möglich wurde dies durch das Engagement der Wikidata-Community. digiS-Kollege Alexander Winkler hatte zunächst die frei verfügbaren Metadaten zu den bestehenden Ausstellungen aufbereitet und nach Wikidata geladen. Dort hat die Community die Anregung aufgegriffen und Informationen zu den Ausstellungen ergänzt. Jens Bemme (SLUB Dresden) hat nicht nur ganz wesentliche Teile der Erschließungsarbeit geleistet, sondern diesem ‚Metadatenaktivismus‘ auch einen Blog-Post gewidmet: https://osl.hypotheses.org/20726
Ein Hoffnungsschimmer zum Schluss: Durch die strukturierte Erfassung der Metadaten zu den einzelnen Ausstellungen war es ein Leichtes, die Ausstellungen allesamt in der Wayback-Machine des Internet Archive zu archivieren. Es steht also zu hoffen, dass die Inhalte der Ausstellungen so schnell nicht aus dem Internet verschwinden. Auffindbar bleiben sie durch die FAIRen Metadaten auf Wikidata, die nun auch den entsprechenden Link zum Internet Archive enthalten. Einen Überblick über die archivierten Ausstellungen samt Archivlinks gibt es hier: https://w.wiki/Jzn7
Die Wikipedia feiert ihren 25. Geburtstag! – Gemeinsam für Freies Wissen: Kultur- und Gedächtnisorganisationen, Schulen und Universitäten in Österreich und Deutschland schenken der Wikipedia zum 25. Geburtstag einzigartige Inhalte
Die Wikipedia feierte am 15.01.2026 ein Vierteljahrhundert Freien Wissens. Zu diesem Anlass haben über 30 Kultureinrichtungen aus Deutschland und Österreich ein besonderes (Daten-)Geschenk beigetragen: Jeweils 25 unter einer freien Lizenz veröffentlichte Inhalte (Bilder, Videos und Audiodateien…), wurden auf Wikimedia Commons veröffentlicht. Diese „Schatzkammer des kulturellen Erbes“ spiegelt die Vielfalt der beteiligten Häuser wider. Seit dem 15.01. sind alle Geschenke mit den Grußworten der Institutionen auf der Wikipedia-Seite https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:25_Jahre_Wikipedia zu finden.
Die Beteiligung weiterer Institutionen ist seitens der Wikipedia sehr erwünscht und das ganze Jahr 2026 über möglich. Ansprechpartner bei Wikipedia für diese Datenspende ist Holger Plickert, Referent Kultur- und Gedächtnisinstitutionen: holger.plickert@wikimedia.de
Apropos freies Wissen: Open Heritage Statement
digiS reiht sich in eine illustre Liste von Unterzeichnenden des Open Heritage Statement ein. Das Open Heritage Statement ist ein globaler Aufruf zum Handeln, der von mehr als 60 Organisationen aus 25 Ländern im Rahmen der von Creative Commons ins Leben gerufenen Open Heritage Coalition erarbeitet wurde. Im Statement werden gemeinsame Werte, zentrale Herausforderungen und Prioritäten dargelegt, um die weltweite Kluft beim gerechten Zugang zum kulturellen Erbe zu schließen und als Leitfaden für die künftige internationale Politik zu dienen.
Bis hierhin gelesen…? Glückwunsch! Als Belohnung gibt es das Save the Date für die digiS-Jahreskonferenz: Diese findet 2026 am 27. November in Berlin (und online) statt.
Wir laden herzlich zu unserem nächsten Machine-Learning-Montag ein:
KI und Recht für Kulturerbe-Einrichtungen (MLM II) – Vortrag und Q&A
Referent: Prof. Dr. Paul Klimpel (iRights.Law) Termin: Montag, 27. April 2026 Zeit: 10.00 – 12.30 Uhr Ort: Online über Zoom (Link folgt nach Anmeldeschluss)
Für viele Kulturerbe-Einrichtungen stellt sich die Frage, wie der Einsatz von KI in unterschiedlichen Konstellationen rechtlich zu bewerten ist. Da bei der rechtlichen Bewertung noch viele Unsicherheiten bestehen, soll dieser Workshop den aktuellen Stand der Rechtsprechung sowie auch der Gesetzgebung in Hinblick auf KI erläutern. Darauf aufbauend wird die Rechtslage bei verschiedenen Anwendungsbereichen in Kulturerbe-Einrichtungen untersucht.
Maschinelles Lernen (ML) oder auch „Künstliche Intelligenz“ (KI) ist weiterhin das große Thema in fast allen Bereichen des menschlichen Arbeitens. Aber was offerieren diese Werkzeuge abseits des großen Hypes von „schneller, größer, besser, einfacher und schöner“ und dem damit prognostizierten Durchdringen aller Lebensbereiche?
Diese digiS-Einführung hat zum Ziel, Nicht-Expert:innen im maschinellen Lernen das nötige Hintergrundwissen zu vermitteln, um sich in diesem Diskurs zurechtzufinden und Hype von sinnvoller Anwendung unterscheiden zu können. Dabei diskutieren wir im 2,5-stündigen Workshop (mit Pause!) folgende Fragen:
Was sind Methoden Maschinellen Lernens und wie funktionieren große (und kleine) ML-Modelle?
Ist die Idee einer Intelligenz, die die menschliche mindestens nachahmt oder gar übersteigt neu? (Spoiler: nein.)
Was sind LLMs, VLMs, Reasoning Architekturen oder multimodale Modelle? Was bedeuten Tokens, Embeddings, Transformer und Prompten?
Und warum sind Kulturerbeeinrichtungen potentiell so wichtig für die Weiterentwicklung und/oder Regulierung von „KI“?
Diese Fragen stellen sich auch, wenn es um Einordnung und Beherrschbarkeit der Werkzeuge, sowie Autonomie und Emanzipation von großen Anbietern geht. Xenia Kitaeva und Marco Klindt versuchen, ein wenig Hilfestellung beim (frei nach Kant) „(…) Ausgang der Menschen aus einer nicht ganz selbstverschuldeten Unmündigkeit“ zu bieten.
Wir (digiS) und der Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) suchen ab Mai 2026 jeweils eine studentische Hilfskraft (40-80 Stunden im Monat).
Die Aufgaben fallen in die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen und Administration. Gesucht werden Studierende geisteswissenschaftlicher Fächer, bspw. mit Bezug zu Medienwissenschaften, Museumskunde oder Bibliotheks- undInformationswissenschaften.