Maschinelles Lernen (ML) oder auch „Künstliche Intelligenz“ (KI) ist weiterhin das große Thema in fast allen Bereichen des menschlichen Arbeitens. Aber was offerieren diese Werkzeuge abseits des großen Hypes von „schneller, größer, besser, einfacher und schöner“ und dem damit prognostizierten Durchdringen aller Lebensbereiche?
Diese digiS-Einführung hat zum Ziel, Nicht-Expert:innen im maschinellen Lernen das nötige Hintergrundwissen zu vermitteln, um sich in diesem Diskurs zurechtzufinden und Hype von sinnvoller Anwendung unterscheiden zu können. Dabei diskutieren wir im 2,5-stündigen Workshop (mit Pause!) folgende Fragen:
Was sind Methoden Maschinellen Lernens und wie funktionieren große (und kleine) ML-Modelle?
Ist die Idee einer Intelligenz, die die menschliche mindestens nachahmt oder gar übersteigt neu? (Spoiler: nein.)
Was sind LLMs, VLMs, Reasoning Architekturen oder multimodale Modelle? Was bedeuten Tokens, Embeddings, Transformer und Prompten?
Und warum sind Kulturerbeeinrichtungen potentiell so wichtig für die Weiterentwicklung und/oder Regulierung von „KI“?
Diese Fragen stellen sich auch, wenn es um Einordnung und Beherrschbarkeit der Werkzeuge, sowie Autonomie und Emanzipation von großen Anbietern geht. Xenia Kitaeva und Marco Klindt versuchen, ein wenig Hilfestellung beim (frei nach Kant) „(…) Ausgang der Menschen aus einer nicht ganz selbstverschuldeten Unmündigkeit“ zu bieten.
Wir (digiS) und der Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg (KOBV) suchen ab Mai 2026 jeweils eine studentische Hilfskraft (40-80 Stunden im Monat).
Die Aufgaben fallen in die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen und Administration. Gesucht werden Studierende geisteswissenschaftlicher Fächer, bspw. mit Bezug zu Medienwissenschaften, Museumskunde oder Bibliotheks- undInformationswissenschaften.
Alle Jahre wieder… beginnt das digiS-Jahr irgendwann im Januar mit dem Auftakttreffen der neuen Projekte. Heute haben wir die neun neuen Projekte bei uns im Zuse-Institut Berlin begrüßt und dabei nochmal über unser (nicht allzu ernst zu nehmendes) Thema reflektiert: 2026 ist Rhyolith-Jahr – Rhyolith ist ein Gestein, das sowohl Baumaterial als auch Schmuck werden kann. Zudem steht es laut der griechischen Wortherkunft für „fließender Stein“, auch darüber kann man mal nachdenken.
Nun zu unseren neuen Projekten:
Die Stiftung Deutsches Technikmuseum ist mit Bildreportagen zu Politik, Kultur und Luftfahrt von Alexander „Alex“ Stöcker vertreten. Besonders Luftfahrt-Interessierte werden hier viel Freude haben.
Die Bernhard-Heiliger-Stiftung digitalisiert Zeichnungen von Bernhard Heiliger, den man von zahlreichen Skulpturen aus dem Berliner Stadtraum kennt. Zeichnen war für Heiliger „…so wichtig wie das Atmen.“
Das Mitte Museum kooperiert mit dem FHXB Friedrichshain-Kreuzberg-Museum für die Digitalisierung von Fotografien von Monika Uelze, die Ost-Berlin zwischen Neubau und Rekonstruktion dokumentierte und in diesem Projekt nun die Aufmerksamkeit bekommt, die ihre Fotografien verdienen.
Die Freunde des Museums für Islamische Kunst e.V. digitalisieren die Sammlung des ehemaligen Direktors Michael Meinecke. Ein Anliegen des Museums für Islamische Kunst ist das Erzählen deutsch-türkischer Geschichte/n.
Die Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen stellt Pläne von drei Jahrzehnten Gefängnisarchitektur zur Verfügung, die raumstrukturelle Veränderungen der ehemaligen Haftanstalt sichtbar machen. Viele Bauzeichnungen wurden von Gefangenen angefertigt.
Die Domäne Dahlem stellt in ihrem Projekt das Wirken und die Person Hildegard Haase vor. Im digiS-Jahr 2025 wurden bereits Arbeiten des Agrarjournalisten Hans Haase aufgearbeitet – dabei fiel auf, dass seine Ehefrau zu Unrecht in Vergessenheit gerät.
Das Internationale Theaterinstitut Zentrum Deutschland e.V. macht Tanz-Produktionen, die digitale Arbeitsprozesse nutzen und vielfältige Medientechnologien einsetzen, digital verfügbar. Das digiS-Projekt fokussiert sich auf die Künstlerin Yui Kawaguchi und hat zum Ziel, ein best practice für die Archivierung von Virtual Reality zu erarbeiten.
Das Brücke-Museum ist dieses Jahr mit Gebrauchskunst der Brücke-Künstler:innen vertreten und digitalisiert Druckgrafiken und die dazugehörigen Holzstöcke. Mit den Holzstöcken lässt sich der Herstellungsprozess auf eindrückliche Weise vermitteln.
Das Berliner Künstlerprogramm DAAD arbeitet die Archivbestände zum Festival für elektroakustische Musik „Inventionen“ auf. „Inventionen“ war in den Jahren vor 1989 wichtig für die Etablierung und Vernetzung einer international ausgerichteten Szene elektroakustischer Musik und Klangkunst in West-Berlin.
Gemeinsam intelligenter? Mensch-Maschine-Kooperationen: Sonderfolge zur digiS-Jahreskonferenz 2025
Die digiS-Jahreskonferenz 2025 fand am 28. November 2025 im Zuse-Institut Berlin und online statt, im ausführlichen Konferenzbericht kann die Veranstaltung in Gänze nacherlebt werden. Als auditives Extra-Schmankerl haben wir (wie schon letztes Jahr) das Nachmittagspanel als Podcast-Folge aufbereitet!
Moderiert von Prof. Dr. Katrin Glinka, Professorin für digitale Museumsdokumentation und Transformationsmanagement an der HTW Berlin, ging die Podiumsdiskussion der Frage nach, ob wir mit „der Maschine“ (= KI) eigentlich gemeinsam intelligenter werden können. Gäst:innen dieser Runde waren Dr. Elisabeth Böhm, Geschäftsführerin des digiCult-Verbundes, Georg Hohmann, Leiter der Digitalabteilung des Deutschen Museums in München, und Sven Kriese, Direktor des Landesarchivs Berlin.
Für Elisabeth Böhm soll KI bei der Objekterfassung, Verschlagwortung und Normdatenvergabe unterstützen. Besonders wertvoll kann KI als Werkzeug für kleine Museen mit wenig Fachpersonal sein.
Laut Georg Hohmann ermöglicht KI in Form von bekannten Prozessen wie OCR, RAG u.ä. die Massenverarbeitung von Daten. Museen besitzen tatsächlich Massen an wertvollen strukturierten Daten, was jedoch auch Big Tech anzieht und ein Risiko von Abhängigkeiten mit sich bringt.
Sven Kriese erzählte unter anderem mutig über das Scheitern eines (KI-)Projekts: die Transkription einer Einwohnermeldekartei, die zu fehlerhaft erfolgte, dadurch zu viel Nacharbeit erforderte und natürlich mit Datenschutzproblemen einherging.
Die Panelist:innen waren sich einig: KI kann Kulturinstitutionen stark entlasten, vor allem bei Massenbeständen, ergänzt jedoch menschliche Arbeit eher als diese zu ersetzen. Kooperatives Arbeiten auf allen Ebenen ist dafür der Erfolgsfaktor. Offene, gute Daten, gemeinsame Infrastruktur, Kooperation und KI-Kompetenz sind und bleiben entscheidend.
Anfang Oktober 2025 tagte die Jury des digiS-Förderprogramms. Insgesamt wurden 34 formal förderfähige Anträge von unterschiedlichsten Berliner Kulturerbeinstitutionen für 2026 eingereicht und die Jury empfahl final neun davon. Die Empfehlungen wurden von der Kultursenatorin Frau Wedl-Wilson übernommen.
Während die neuen Projekte also schon in den Startlöchern standen, ging es bei unseren Partner:innen 2025 in die letzte Runde ihrer noch ausstehenden Projektarbeiten und natürlich auch in die Vorbereitung ihrer Kurzvorträge für die digiS-Jahreskonferenz am 13. November 2025. Beim Abschlusstreffen am 11. Dezember beschlossen wir gemeinsam das digiS-Jahr – nach einem kurzen Resumée von 2025 aus digiS-Sicht und abschließenden Informationen zu den letzten Projektschritten stellten die Partner:innen ihre vielfältigen Ergebnisse und Erkenntnisse vor.
12. digiS-Jahreskonferenz am 13. November 2025
Die Vielfalt der Projekte spiegelt nämlich „im Digitalen die Vielfalt der Berliner Kulturlandschaft wider. Und wir, digiS, sorgen in Kooperation mit unseren Projektpartner:innen und auch Partner:innen wie dem Zuse-Institut dafür, dass die Ergebnisse dieser Projekte, die Kulturdaten, sichtbar, zugänglich und verfügbar sind.“ Dieses Zitat von digiS-Koordinatorin Anja Müller wurde anschaulich in den verschiedenen Panels unserer Jahreskonferenz diskutiert, die natürlich wie jedes Jahr unser Veranstaltungs-Highlight war. Bei „Datenkultur(en): Kooperation macht den Unterschied“ waren insgesamt knapp 220 Gäste online und vor Ort dabei.
Das Thema der Langzeitverfügbarkeit stand 2025 weit oben auf der Agenda von digiS und den Kolleg:innen des KOBV. Unterstützt durch den Organisationsberater und Coach Prof. Dr. Martin Zierold konnten wir im Oktober unsere zweigeteilte Bedarfsumfrage zum Thema der Langzeitverfügbarkeit / Langzeitarchivierung abschließen. Erste Erkenntnisse aus der Umfrage und weitere „Neuigkeiten aus der LZA“ haben wir hier zusammengefasst.
Kulturfördergesetz
Im Februar 2025 hat dieBerliner Kulturkonferenzeinen Beteiligungsprozess für ein Berliner Kulturfördergesetz gestartet. „Digitalität“ ist eines der darin vorgesehenen Handlungsfelder – natürlich hat digiS da ein Wörtchen mitzureden oder zumindest eine Meinung. Geleitet von den Kolleg:innen Annette Kleffel und Silvia Faulstich (kulturBdigital / Technologiestiftung) erarbeiteten wir in der Fachgruppe Digitalität zusammen mit vielen anderen Berliner Kulturakteur:innen Empfehlungen für dieses Handlungsfeld. Zum aktuellen Status des Gesetzes empfehlen wir den Livemitschnitt der Diskussionsveranstaltung am 15. Dezember: https://www.kulturfoerderngesetz.de/
Die Zwischenergebnisse aller 15 beteiligten Fachgruppen werden am 9. Februar 2026 im Deutschen Theater präsentiert: Anmeldung und weitere Informationen finden sich ebenfalls bei https://www.kulturfoerderngesetz.de unter „Aktuelles“.
Veranstaltungen & Workshops
Oktober
Vom 6. Bis 8. Oktober fand die Herbsttagung der Fachgruppe Dokumentation des Deutschen Museumsbunds erneut bei digiS am Zuse-Institut Berlin statt. Unser Kollege Alexander Winkler eröffnete die Tagung mit dem Beitrag „Always already AI-ready. Sammlungsdaten in Zeiten von KI“: https://doi.org/10.5281/zenodo.17270515 Am 07. Oktober hielt Marco Klindt gleich zwei Vorträge bei der Herbsttagung: “Keinen Plan? digiS-Förderanträge sind Datenmanagementpläne!” und „(M)ein Jahr mit der LIDO-AG“.
Am 08. Oktober war Xenia Kitaeva bei der Jahreskonferenz von kulturBdigital „Besser teilen“ eingeladen und diskutierte auf dem Podium mit Silvia Faulstich, Tabea Golgath und Matthias Stier über Kompetenzaufbau und Digital Literacy in Theorie und Praxis. Die Diskussion kann hier nacherlebtwerden. Hier geht’s zur gesamten, lohnenswerten Nachlese der Konferenz.
Am 14. Oktober stellte Xenia Kitaeva bei der Herbstfortbildung des Kompetenzzentrums Bestandserhaltung (KBE) der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) die zwei Säulen des digiS-Förderprogramms vor: „Förderung und Kompetenzaufbau im Berliner Modell: Das Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS)“ und hielt am 17. Oktober zusammen mit Alexander Winkler den Vortrag „Objektbeschreibungen sind Basisarbeit. Zum neuen ML-Feature in musdb“ bei der museum-digital User:innen-Tagung: https://doi.org/10.5281/zenodo.17378243
Am 4. November hielt Alexander Winkler den Workshop „From Zero to SPARQL. Eine Einführung in die Abfrage von Wissensgraphen (Schwerpunkt Wikidata)“. Der Workshop war eine grundlegende Einführung für Anfänger:innen ohne Vorkenntnisse. Nach der Vorstellung des Grundgedankens hinter RDF ging es um die wesentlichen Syntaxelemente und Funktionen von SPARQL.https://doi.org/10.5281/zenodo.17368769
Am und um den 13. November herum drehte sich bei digiS alles um die eigene Jahreskonferenz. Wir sind sehr zufrieden und immer noch berauscht und inspiriert von der Veranstaltung! Zur oben bereits erwähnten Nachlese hier entlang!
Am 21. November besuchte die Deutsche Gesellschaft für Information und Wissen mit ihrem Zertifikatskurs „KI in Bibliotheken“ uns das zweite Jahr in Folge im Zuse-Institut Berlin, um den Teilnehmenden eine Gelegenheit zu geben, sich auch in Präsenz auszutauschen. Das bedeutete natürlich, dass eine Prise digiS (und KOBV) im Programm inkludiert war – Prof. Dr. Thorsten Koch hielt einen Einführungsvortrag zum Thema KI, Tim Hasler präsentierte die KI-Schreibmaschine und Xenia Kitaeva bereitete ein kleines, unterhaltsames Promptbattle vor.
Am 25. Und 26. November war digiS beim 12. Tag der Bestandserhaltung „Vom Papier zum Pixel – Bestandsschonende Digitalisierung“ im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde. Marco Klindt diskutierte mit Jens Niederhut, Lars Müller, Dr. Martin Luchterhandt und Cornelia Hanke die Themenschwerpunkte Originalerhalt, Digitalisierung, Ersatzdigitalisierung und Bestandserhaltung – die Originale hier wunderbar scherzhaft zusammengefasst als „Kram“ – und führte im Nachmittagsprogramm gemeinsam mit einem weiteren ZIB-Kollegen eine kleine Gruppe von Konferenzteilnehmenden durch den ZIB-Keller für eine Demonstration der Bandspeicher und Hochleistungsrechner. Auch Xenia Kitaeva und Anja Müller beteiligten sich mit einem Vortrag zum digiS-Förderprogramm an der Tagung: „Zwischen Bewahren und Erneuern: Das Berliner Förderprogramm zur Digitalisierung des kulturellen Erbes“ informierte über einige Besonderheiten des Förderprogramms und erlaubte einen kleinen Blick in das kommende digiS-Jahr 2026.
Fast zeitgleich, am 26. November fand die Jahrestagung „Wie weiter?“ des Berliner Museumsverbands auf dem Forschungscampus Dahlem statt und Alexander Winkler und Xenia Kitaeva luden ins Zuse-Institut Berlin für den Workshop „Künstliche Intelligenz in der Sammlungserschließung“ ein. Mit einer kleinen Gruppe Berliner Museumsmenschen diskutierten und erprobten sie Maschinelle Lernprozesse in der Sammlungsarbeit.
Dezember
Am 1. Dezember fand MLM II (Machine-Learning-Montag II) statt, diesmal als Kooperationsveranstaltung mit Dominik Bönisch Alpári von der HSD Hochschule Düsseldorf / Arbeitsgruppe MIREVI: „Vom Suchen & Finden. Audiovisuelle Archive zwischen Recherche, KI und semantischer Exploration“ behandelte aktuelle Ansätze, mit denen audiovisuelle Sammlungen anders zugänglich und neu erfahrbar gemacht werden können – von semantischer Suche über Detektivarbeit im Stadtraum bis hin zur Nutzung generativer KI in der Archivexploration. Moderiert wurde die Veranstaltung von Xenia Kitaeva, neben Dominik Bönisch Alpári steuerten Kaspar Aebi (Mapping the Archive) und Laura Rettig (Universität Basel / DBIS) Vorträge bei.
Am 2. Dezember hielt Alexander Winkler den Workshop „Umwege zu besseren LIDO-Daten. Workflows externer Normdatenanreicherung“ und behandelte darin Prozesse, die mit externen Tools Kontrollierte Vokabulare in Daten einbinden: https://doi.org/10.5281/zenodo.17779761
Am 4. Dezember fand ein interner Workshop für digiS-Partner:innen statt, der sich mit dem neuen LZA-Tool „Best Match“ befasste. Mehr zu „Best Match“.
Am 10. Dezember hielt Xenia Kitaeva bei der Fachgruppe Digitale Transformation des Berliner Museumsverbandes einen Vortrag zum Twitter-Ausstieg von digiS. Der Vortrag „digiS und der eXit. Abschied von Twitter/X & Aufbau von Mastodon- (und Linkedin-)Präsenzen“ behandelte sowohl Gründe für den Ausstieg als auch den zeitlichen Ablauf und enthielt (erste) Erkenntnisse über den Wechsel ins Fediverse und zu LinkedIn.
Am 11. Dezember fand wie bereits oben erwähnt das Abschlusstreffen der Projekte 2025 statt.
Personalia
Verabschiedung von Beate Rusch. Nach 28 Jahren engagierten Dienstes in der KOBV-Zentrale, davon 15 Jahre als geschäftsführende Leiterin, sowie nach 12 Jahren im Leitungsteam von digiS, wurde unsere hochgeschätzte Chefin Beate Rusch im Oktober 2025 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.
Ebenfalls mehrere Jahre bereicherte Roxanne Vierhaus als studentische Hilfskraft das digiS-Team in den Bereichen Organisation und Öffentlichkeitsarbeit. Roxanne widmet sich ab 2026 ausschließlich ihrem Studienabschluss und hat das digiS-Team daher zum Jahresende verlassen.
Blick ins neue Jahr
Was bringt das neue Jahr außer neun sehr spannenden neuen digiS-Projekten? Nach Drachenjahr und Quadratjahrfiel uns die Entscheidung zum digiS-Motto des Jahres 2026 nicht leicht. Laut chinesischem Kalender beginnt am 17. Februar ein Feuerpferd-Jahr, das verschiedene Prognosen mit sich bringt. Nehmen wir mal die positiven: Es soll „Energie, Schwung und kreative Power“ bringen.
Und „Bauen“ ist ein gutes Stichwort! Bereits aus dem Rückblick auf das letzte Quartal des vergangenen Jahres lassen sich unschwer Themen erkennen, die wir auch 2026 weiter ausbauen werden:
Die Verbesserung unseres infrastrukturellen LZA-Services EWIG für digiS und KOBV-Partner:innen steht an oberster Stelle. Wir werden uns bemühen, das Thema der nachhaltigen Digitalisierung (und damit der Langzeitverfügbarkeit/Langzeitarchivierung) in diesem Jahr auf die große Bühne zu holen.
Dort bereits platziert sind die Herausforderungen und Potenziale Künstlicher Intelligenz für Daten und Objekte des kulturellen Erbes. Auch daran arbeiten wir weiter, ab Februar 2026 verstärkt durch eine weitere Projektstelle und in enger Kooperation mit dem KOBV sowie dem Landesarchiv Berlin und der Stiftung Stadtmuseum Berlin sowie weiteren bibliothekarischen Institutionen.
Wir freuen uns darauf, auch 2026 wieder mit teilweise schon bekannten Institutionen in neuen Projektzusammenhängen zusammenzuarbeiten. Die Begleitung unserer Projektpartner:innen und die Gestaltung unseres Förderprogramm sind und bleiben das Fundament unserer Arbeit. Die neuen Projektpartner:innen sind:
Die ersten digiS-Veranstaltungen können wir ebenfalls schon für Q1 2026 ankündigen. Wie immer startet das digiS-Workshop-Jahr mit den Grundlagen der Digitalisierung und Marco Klindt:
Von und mit digiS
24.02. Grundlagen techn. Digitalisierung Online-Vortrag und QA-Session mit Marco Klindt
09.03. Einsatz und Anwendung kontrollierter Vokabulare und Normdaten. Online-Workshop mit Alexander Winkler
17.03. Infotag zum Förderprogramm Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin
24.03. Metadaten I (Q&A zu den eLectures) mit Marco Klindt
03-19.03. 8. Workshop Retrodigitalisierung „Digitalisierung für die Ewigkeit? – Datenqualität in der Praxis“, Stabi Berlin https://blog.sbb.berlin/wsrd26-cfp/ (Mit Vortrag zu Dateiformaten von Marco Klindt am 19.3.)
Da die Reihe positiv aufgenommen wurde, arbeiten wir auch dieses Jahr an einer Machine-Learning-Montag (MLM) Reihe, die ab Frühjahr 2026 starten wird (Q2). Darüber und über alle anderen digiS-Veranstaltungen und -Veröffentlichungen informieren wir wie gewohnt hier, über unsere Mailingliste und auf unseren Social Media-Kanälen!
Wir wünschen allen Lesenden, Interessierten und natürlich unserem Netzwerk ein gutes, gesundes, aufbauendes und möglichst rhyolithaltiges Jahr 2026!
So langsam verabschiedet sich das digiS-Team in die Feiertage. Wir hatten ein inspirierendes, abwechslungsreiches und auch aufregendes Jahr 2025 und nehmen uns zum Jahreswechsel vor, Ihre und Eure Wünsche und Erwartungen auch 2026 wieder bestmöglich umzusetzen.
Am 13. November 2025 fanden sich knapp 140 Menschen am Zuse-Institut Berlin und 80 Menschen im Stream zur 12. digiS-Jahreskonferenz „Datenkultur(en): Kooperation macht den Unterschied“ ein, um gemeinsam mit uns über Wege des Zusammenarbeitens verschiedener Art zu diskutieren.
An dieser Stelle zunächst ein riesiges Dankeschön an alle Referierenden und Teilnehmenden, die maßgeblich zu einer spannenden Tagung beigetragen haben!
Foto: FabianWinklerFotografie.com
Grußworte
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Anja Müller, Koordinatorin von digiS, begrüßte die Konferenzteilnehmenden mit einer kurzen Verortung der Veranstaltung im digiS-Universum – denn nach 13 Jahren Förderprogramm kann man nicht nur auf sehr verschiedene Digitalisierungsprojekte zurückblicken, sondern auch auf ebenso vielfältige Kooperationen innerhalb und außerhalb des Förderprogramms. Die Vielfalt der Projekte spiegele:
„(…) im Digitalen die Vielfalt der Berliner Kulturlandschaft wider. Und wir, digiS (…), sorgen in Kooperation mit unseren Projektpartner:innen und auch Partner:innen wie dem Zuse-Institut dafür, dass die Ergebnisse dieser Projekte, die Kulturdaten, (…) sichtbar, zugänglich und verfügbar sind.“
„Kooperation bedeutet nicht nur, gemeinsam Projekte zu realisieren. Kooperation heißt auch, voneinander zu lernen und gemeinsam Neues zu entwickeln.“
Auch die Staatssekretärin für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Berlin Cerstin Richter-Kotowski hatte ein paar Grußworte für die digiS-Jahreskonferenz mitgebracht: Kooperation sei mehr als ein Tagesmotto, es sei eine Haltung und zugleich das langjährige Erfolgsrezept von digiS sowie gelungenes Beispiel der Zusammenarbeit zwischen dem Zuse-Institut Berlin und dem Land Berlin/der Senatsverwaltung.
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Who wants to live forever? How to keep data alive for the future
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„Unsere Bits werden wir wiederkriegen. Wir müssen nur wissen, was diese Bits bedeuten.“
Ein Auszug von Prof. Dr. Thorsten Kochs Vortrag, als einfache Gleichung:
= 350 Terabyte Video, Audio, etc. (bisschen komprimiert)
Zum Vergleich: ChatGPT5 ist mit ca. 280 Terabyte (= 70 Trillionen Tokens) trainiert. Was bedeutet das für uns?
Im Eröffnungsvortrag schlug er mit anschaulichen Beispielen den Bogen von der Wichtigkeit von Kontextinformationen zu den auf lange Zeit (oder für EWIG) am ZIB gespeicherten Daten. Mit „Who wants to live forever?“ versucht er anhand der obigen Gleichung auch die Frage zu beantworten, warum wir Dinge bewahren. Beispielsweise müssen wir mit immer mehr Bedrohungen unseres Kulturerbes (und unserer Existenz) umgehen, wobei schon Ovid sagte: „Die Zeit nagt an den Dingen.“ Und um die Dinge für immer und zudem nachnutzbar zu bewahren, sei es eine wichtige Gemeinschaftsaufgabe, Verbindungen zwischen Objekten (und Menschen) herzustellen, Kontext zu erschaffen und zu erhalten.
Hier kann der gesamte Vortrag nachgeschaut werden, aus technischen Gründen muss der Vortragende bitte mit dem geistigen Auge oder anhand des obigen Bildes visualisiert werden:
Minute Madness
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digiS-Jahreskonzferenz 2025, Fabian Winkler, CC BY 4.0
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digiS-Jahreskonzferenz 2025, Fabian Winkler, CC BY 4.0
digiS-Jahreskonzferenz 2025, Fabian Winkler, CC BY 4.0
digiS-Jahreskonzferenz 2025, Fabian Winkler, CC BY 4.0
Insgesamt neun vielfältige und kreative Digitalisierungsprojekte, die von „klassischen“ Fotografien bis Kunsthandwerk reichen, stellten sich mit einer Minute Madness vor und zwei digiS-eigene Projekte durften sich mit jeweils einer eigenen Minute Madness anschließen.
Christiane Lindner stellte für ihr Praxisbeispiel des Aufbaus eines internen Datenbanksystems ein Koordinatensystem mit vier Quadranten auf, die sie für größtmögliche Zugänglichkeit als „Räume“ kategorisierte.
Die vier Räume lassen sich folgendermaßen aufteilen:
Operativer Raum – Projektarbeit, Meetings etc.
Steuerungsraum – Entscheidungen
Beziehungsraum – Zwischenmenschliches und -Organisatorisches
Individueller Raum – Eigene Inputs/Reflexionen im Projekt
Ziele der Datenbankentwicklung waren größtmögliche, strategische Partizipation innerhalb des Landesmuseums und langfristig die selbständige Nutzung der Datenbank durch alle Museumsmitarbeitenden im Sinne eines „dezentralen Ownerships“.
Der gesamte Vortrag kann hier nachgesehen werden. Auch diesmal bitten wir darum, sich die Redende mithilfe des dritten Auges vorzustellen, oder so lange intensiv auf das obige Portraitfoto zu gucken, bis es sich bewegt:
Weitere basale Erfolgsfaktoren für Kooperationen seien ein gutes, respektvolles Zeitmanagement, Snacks und eine Portion Humor, die auch in Form von Memes verabreicht werden kann.
Kooperieren als Kulturtechnik im digitalen Zeitalter
Foto: FabianWinklerFotografie.com
Das erste Panel der digiS-Konferenz beschäftigte sich mit der Frage, wie eine gute, faire und gleichberechtigte Zusammenarbeit aussehen könne. Auf dem von Antonia Weisz (Domäne Dahlem) moderierten Podium saßen Vertreter:innen dreier sehr unterschiedlicher Museumstypen: Ein Kunstmuseum (Isabel Fischer, Brücke Museum), ein Bezirksmuseum (Natalie Maier, FHXB Museum) und ein Museum mit spezifischem Sammlungsschwerpunkt (Maike Priesterjahn, Sportmuseum).
Hier geht’s gleich ohne Umschweife zum Videomitschnitt, Umschweife sind darunter zu finden:
Natalie Maier, Koordinatorin und Leiterin der Sammlung und Projekte im Friedrichshain-Kreuzberg Museum, ermöglichte neue Einblicke in das Projekt „3D-Dokumentation der früher besetzten Gerhard-Hauptmann-Schule“. Das FHXB ist Bezirksmuseum mit Fokus auf städtische, soziale und migrantische Geschichte und digitalisierte die Schule in 3D, als Erinnerungsort einer Geflüchtetenprotestbewegung (2012–2014).
Maike Priesterjahn, Sammlungsleiterin und stv. Museumsleiterin des Sportmuseums Berlin|Wassersportmuseum Grünau repräsentierte die Neuaufstellung des Teams und der Sammlung des Museums nach Jahrzehnten passiver Aufnahme von Objekten. Zunächst identifizierten sie Leerstellen, u.a.: Frauen, queerer Sport, inklusiver Sport, postmigrantische Perspektiven und gingen dann aktive Kooperationen mit Vereinen/Communities ein, die eigenverantwortlich bestimmen, welche Objekte für ihre jeweiligen Perspektiven bedeutend sind.
Die Einblicke in die Projekte zeigen, dass Kooperation im digitalen Zeitalter zwar durch technische Mittel erleichtert wird, aber weiterhin ein zeitintensiver, vertrauensbasierter sozialer Prozess bleibt, der von Herausforderungen wie hohem Kommunikationsaufwand, fehlender kontinuierlicher Förderung und der Notwendigkeit langfristiger Beziehungsarbeit geprägt ist.
Mittagspause und Poster-Session
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digiS-Jahreskonferenz, Fabian Winkler, CC BY 4.0
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digiS-Jahreskonferenz, Fabian Winkler, CC BY 4.0
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digiS-Jahreskonferenz, Fabian Winkler, CC BY 4.0
Kooperative Datenarbeit. Synergien durch FAIRness und openness
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Nach Mittagspause und Postersession ging es zum Einstieg in den Nachmittag mit Dr. Alexander Winklers Vortrag weiter. Dieser befasste sich mit FAIRness (= Findable, Accessible, Interoperable & Reusable) und Openness, denn er machte eine weitere Möglichkeit der Kooperation im digiS-Universum auf: Die Kooperation der Daten. Und wie kooperieren Daten am besten? Durch größtmögliche Offenheit und Verwendung von Standards. Denn FAIRe Daten erleichtern Nutzung und Wiederverwendung.
Openness bedeute mehr als Open Access: Es sei eine Haltung, die Transparenz, Teilhabe, Nachhaltigkeit, Mehrsprachigkeit und das Teilen von Wissen umfasse.
Für Kulturinstitutionen lohnen sich für die offene, kooperative Datenarbeit vier einfache Schritte besonders gut:
Auflösbare, stabile URIs (Uniform Resource Identifier) für jedes Objekt
Offene und transparente Lizenzierung
Datenangebote sichtbar machen
Metadaten maschinenlesbar bereitstellen(z. B. über APIs, DDB, Exportdateien oder Zenodo)
Diese Maßnahmen senken Hürden, erhöhen Datenqualität und ermöglichen echte Kooperation. Wie immer ist Alexander Winklers Präsentation auf Zenodo zu finden:https://doi.org/10.5281/zenodo.16970805
Der Vortrag kann hier nachgehört werden:
Gemeinsam intelligenter? Mensch-Maschine-Kooperationen
Foto: FabianWinklerFotografie.com
Moderiert von Prof. Dr. Katrin Glinka von der HTW Berlin, ging die zweite Podiumsdiskussion der Frage nach, ob wir mit „der Maschine“ (= KI) eigentlich gemeinsam intelligenter werden können. Gäst:innen dieser Runde waren Dr. Elisabeth Böhm, Geschäftsführerin des digiCult-Verbundes, Georg Hohmann, Leiter der Digitalabteilung des Deutschen Museums in München, und Sven Kriese, Direktor des Landesarchivs Berlin.
Foto: FabianWinklerFotografie.com
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Für Elisabeth Böhm soll KI bei der Objekterfassung, Verschlagwortung und Normdatenvergabe unterstützen. Besonders wertvoll kann KI als Werkzeug für kleine Museen mit wenig Fachpersonal sein.
Laut Georg Hohmann ermöglicht KI in Form von bekannten Prozessen wie OCR, RAG u.ä. die Massenverarbeitung von Daten. Museen besitzen tatsächlich Massen an wertvollen strukturierten Daten, was jedoch auch Big Tech anzieht und ein Risiko von Abhängigkeiten mit sich bringt.
Sven Kriese erzählte unter anderem mutig über das Scheitern eines (KI-)Projekts: die Transkription einer Einwohnermeldekartei, die zu fehlerhaft erfolgte, dadurch zu viel Nacharbeit erforderte und natürlich mit Datenschutzproblemen einherging.
Die Panelist:innen waren sich einig: KI kann Kulturinstitutionen stark entlasten, vor allem bei Massenbeständen, ergänzt jedoch menschliche Arbeit eher als diese zu ersetzen. Kooperatives Arbeiten auf allen Ebenen ist dafür der Erfolgsfaktor. Offene, gute Daten, gemeinsame Infrastruktur, Kooperation und KI-Kompetenz sind und bleiben entscheidend.
Die gesamte Podiumsdiskussion kann hier nacherlebt werden:
Tschüss und bis zum nächsten Jahr!
Nochmals danke an alle Teilnehmenden, alle Refererierenden und denen, die bis hierher gelesen haben! Wir nehmen viel Inspirierendes für 2026 mit und freuen uns auf das Wiedersehen.
Der digiS-Machine-Learning-Montag (MLM) geht in die zweite Runde (MLM II)! Nachdem alle Interessierten bei der ersten Ausgabe die Grundlagen Maschinellen Lernens inkl. historischer Grundlagen gelernt haben, befassen wir uns in Kooperation mit Dominik Bönisch Alpári von der HSD Hochschule Düsseldorf / MIREVI nun mit einem spezifischen Fachbereich: Audiovisuelle Archiven.
Online-Workshop: Vom Suchen & Finden. Audiovisuelle Archive zwischen Recherche, KI und semantischer Exploration
Audiovisuelle Archive stellen Forschende, Kurator:innen und Kulturinstitutionen vor besondere Herausforderungen: Wie lassen sich Bild-, Video- und Tonbestände erschließen, durchsuchen und interpretieren, wenn sie aus heterogenen Quellen stammen und in komplexen Kontexten entstanden sind? Der Workshop widmet sich aktuellen Ansätzen, mit denen audiovisuelle Sammlungen anders zugänglich und neu erfahrbar gemacht werden können – von semantischer Suche über Detektivarbeit im Stadtraum bis hin zur Nutzung generativer KI in der Archivexploration.
Mit Kaspar Aebi (Mapping the Archive), Dominik Bönisch Alpári (HSD Hochschule Düsseldorf / MIREVI) und Laura Rettig (Universität Basel, DBIS)
Zugang gestalten! 2025 in der Deutschen Nationalbibliothek (Leipzig) hatte dieses Jahr den Schwerpunkt „Künstliche Intelligenz“. Diskutiert wurde, wie sich durch die neue(n) Technologie(n) der ethische, künstlerische und datenbezogene Zugang zum kulturellen Erbe, aber auch das kulturelle Erbe selbst, verändert.
„Fürchtet euch nicht!“, so die einleitenden Worte des Konferenzveranstalters Prof. Dr. Paul Klimpel (iRights). Was blasphemisch anmuten mag, ist doch ein wichtiges und richtiges Eröffnungsstatement. Die Diskussionen um „Künstliche Intelligenz“ im Kulturerbe-Bereich sind nämlich häufig von Sorgen geprägt. Auf der Konferenz wurde das Thema jedoch weniger unter dem Aspekt der Sorge, sondern aus sehr unterschiedlichen und immer lösungsorientierten Perspektiven diskutiert. Prämisse ist, dass die Bedeutung der Kulturerbe-Einrichtungen als vertrauenswürdige und für Authentizität bürgende Institutionen – besonders angesichts von KI und in Zeiten fortschreitender Synthetizität – zunimmt.
Unsere Kollegin Xenia Kitaeva war vor Ort und hat ihre inspirierten Takeaways von mehreren Seiten auf folgende Stichpunkte reduziert:
Kultur, Recht und Gesellschaft
Für Dr. Johannes Bernhardt ist KI eine „neue Partei“, eine neue Stakeholderin im Konstrukt Kulturerbe → Team → Rezipierende
Dr. Till Kreutzer plädierte für mehr Open Access und weniger Urheberrecht(sdiskussionen und -komplikationen). KI sollte nicht verboten, sondern vernünftig besteuert werden.
Laut Prof. Dr. Dr. h.c. Sybille Krämer ist KI eine Kulturtechnik des artifiziell Flächigen und Digitalität ein Medium (2D) zwischen Raum (3D) und Zeit (1D).
KI und Kunst
Laut Dr. Anett Holzheid und Tristan Schulze verändert KI als neues Werkzeug den künstlerischen Prozess.
Für Dr. Viktoria Kraetzig ist „KI-Kunst“ juristisch betrachtet aktuell keine Urheberrechtsverletzung, da es u.A. mit einem internen Lernprozess verglichen werden kann.
AC Coppens zeichnete am Beispiel der Filmbranche den allgemeinen Medienwandel hin zu „Liquid Media“ nach, d.h. auf zunehmend hyperdynamische und -personalisierte Medien durch KI.
Ethik der Künstlichen Intelligenz und Beispiele aus der Praxis
Jeannine Hausmann stellte die UNESCO-Empfehlung zu KI vor: Ethik muss gesamtgesellschaftlich und in allen Zyklen der KI, d.h. von der Entwicklung bis zur Ausführung mitgedacht werden.
Laut Dr. Franziska Klemstein kann KI zum Schutz von Welterbestätten eingesetzt werden, indem mithilfe von bspw. Entscheidungsbäumen vorausschauend statt reaktiv gearbeitet wird.
Angela Huang stellte mit dem Projekt „Hanse. Quellen. Lesen!“ eine produktive Nutzung von KI vor: Die Erschließung von handschriftlichen Aufzeichnungen mit OCR (und Citizen Science).
Carrie Lau zeigte Erkenntnisse aus Experimenten mit OpenAI-Schnittstellen für personalisierte VR-Erlebnisse vor: Mittelmäßig individualisierte Personalisierungen funktionieren am besten.
Zwischen Allmende und Algorithmus: Das digitale Kulturerbe in Zeiten Künstlicher Intelligenz
Für Heike E. Gleibs repräsentieren Daten das digitale Grundwasser.
Wissensgraphen sind laut Lukas Fuchsgruber ein sinnvolles Werkzeug für die automatisierte Arbeit mit KI.
Philippe Saadé stellte die Wikidata Knowledge Graphs vor. Diese helfen dabei, Mis- und Desinformation zu reduzieren, Daten aktuell zu halten und die Sichtbarkeit von unterrepräsentiertem Wissen zu verbessern.
Matthias Razum diskutierte die Frage „Degeneriert digitales Kulturgut zur kontextfreien ‚Datenmasse‘?“
Authentizität, Manipulation und die Rolle der Kulturerbe-Einrichtungen
Für Prof. Dr. Michael Hollmann muss das Archiv der Zukunft von der Information her gedacht werden, nicht von der Materialität.
Lambert Heller warnte, dass unsere Daten und damit unsere Geschichte bedroht sind. Dagegen helfen gemeinschaftliche dezentrale Netze und Strukturen (FOSS & FAIR).
Laut Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann ist historisches Bewusstsein spezifisch für die westliche Moderne und eine „Erfindung der Geisteswissenschaften“. Besonders gefährlich wird die Manipulation von einem zentralisierten Zugriff auf das kulturelle Erbe in den Händen von Autokrat:innen.
Alles, was in dieser Zusammenschrift vergessen wurde, kann im Mitschnitt des Livestreams nachgeschaut werden. Die Speaker:innen und das Programm können hier nachgelesen werden.
Wir danken Prof. Dr. Klimpel, Anna Heizmann und dem Zugang gestalten! Team wieder einmal für den gelungenen, spannenden Austausch!
Die nächste Zugang gestalten!-Konferenz findet im Herbst 2026 in Berlin statt und befasst sich mit dem Thema „Geschichtspolitik und Erinnerung“. Aktuellste Informationen gibt es auf der Zugang gestalten! Webseite und natürlich informieren wir als Partnerin auch rechtzeitig zur Konferenz.
Version 1.1 der Minimaldatensatz-Empfehlung für Museen und Sammlungen wurde Anfang Oktober veröffentlicht!
Erarbeitet wird die Empfehlung durch die AG Minimaldatensatz: Die AG Minimaldatensatz wurde 2022 von den Fachstellen Museum und Mediathek Fotografie/Ton der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) und der AG Digitalisierung der Konferenz der Museumsberatungsstellen in den Ländern (KMBL) sowie digiS Berlin initiiert. Mitglieder der AG sind Vertreter:innen des Instituts für Museumsforschung – Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Fachgruppe Dokumentation im Deutschen Museumsbund (DMB), der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland – Humboldt-Universität zu Berlin, der digiCULT-Verbund eG, von museum-digital Deutschland e. V., NFDI4Culture, NFDI4Memory, NFDI4Objects, des Museums für Naturkunde Berlin und des Übersee-Museums Bremen.
Sowohl bei der Entwicklung der Beta-Version (2023) als auch bei der Finalisierung der im Mai 2024 veröffentlichten ersten Vollversion der Minimaldatensatz-Empfehlung wurden Vertreter:innen verschiedener Stakeholder-Gruppen, darunter Museumsmitarbeitende, in der Beratung und Lehre Tätige, Softwareanbieter:innen sowie Vertreter:innen verschiedener Kulturportale einbezogen und um Feedback gebeten.
Maße: Codeblock für LIDO v.1.1 für ereignisabhängige Maße
Materialund Technik jeweils Codeblock für LIDO v.1.1 für ereignisunabhängige Material-/Technikangaben
Genauer Wortlaut einzelner Erfassungshinweise
Sprache des Datensatzes: Umformulierung des Erfassungshinweises, u. a. Besprechung des Falles „Sprache des Objekts oder Werks“
Folgende Standards wurden in die Konkordanztabelle aufgenommen (Abschnitt “Vergleich mit einschlägigen Standards und Datenbankmodellen” auf einzelnen Datenfeld-Seiten):